Juli - Behindertenstolz-Monat…noch nie gehört?!

26.06.2026 |

Sommer, Sonne, Urlaub….Der Juli ist mehr als das. Er gilt mittlerweile als Behindertenstolz-Monat. Warum er geschichtlich wichtig ist, sein Anliegen persönlich herausfordernd sein kann und was dieser Monat mit uns allen zu tun hat, erfahren Sie hier.

Menschen machen sich auf den Weg zum US-Kapitol. Sie fordern ein Bürgerrechtsgesetz, das Diskriminierung aufgrund von Behinderung verbietet. Sie stehen aus ihren Rollstühlen auf und legen ihre Mobilitätshilfen beiseite. Dann beginnen sie, die Stufen des Kapitols zu überwinden. Was sich hier wie in einem Roman liest, ist im Frühling des Jahres 1990 genau so passiert. Ihre Aktion zeigte Wirkung: Ein paar Monate später, am 26. Juli 1990 unterschrieb der Präsident das Gesetz Americans with Disabilities Act. Die soziale Behindertenrechtsbewegung in den USA war ihrem Ziel ein Stück nähergekommen: Gleichberechtigter Platz in der Gesellschaft sowie Kampf gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung.
 
Der Monat Juli - ein Monat des Stolzes und der Verantwortung
Ausgehend von den Ereignissen in Boston, erklärte die Stadt New York im Jahr 2015 den Juli offiziell zum Disability Pride Month (deutsch: Behindertenstolz-Monat). Seitdem feiern Menschen mit Behinderung in diesem Monat ihre Identität und nutzen den Anlass, um politische Forderungen zu stellen. Denn: Unsere Welt muss barrierefreier und inklusiver werden! Menschen mit Behinderung erleben nach wie vor tägliche Ausgrenzung in Gesellschaft und auch Kirche. Wie jede*r Mensch selbst zu einer inklusiveren Welt beitragen kann, zeigt Raúl Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit, auf seiner Homepage.
 
Aber was bedeutet es, auf die eigene Behinderung stolz zu sein?
Raúl Krauthausen beschreibt seine persönliche Zwiespältigkeit zum Behindertenstolz: „Warum sollte man überhaupt Stolz auf die eigene Behinderung empfinden? Fühlt sich das nicht ein wenig masochistisch an? Stolz auf etwas zu sein, das aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft (und teilweise meiner eigenen Internalisierung) im Grunde „nicht funktioniert“? Ist es nicht genug, dass ich meine Behinderung akzeptiere? Warum muss ich auch noch stolz darauf sein? Schließlich ist eine Behinderung ein Fakt. Weder schlecht noch gut fühle ich mich mit ihr. Man lebt ja mit ihr, es gibt keine Wochentage, an denen sie sich abmeldet.“
Zugleich schreibt er, „dass jeder einzelne Mensch mit einer Behinderung es verdient, stolz auf sich selbst zu sein und sich nicht von einer ableistischen Gesellschaft um diese angemessene und gerechtfertigte Selbstachtung betrügen lässt. „Disability Pride Month“ ist ein Anlass, die eigene Einzigartigkeit und die der anderen zu feiern. Stolz darauf zu sein, wer wir sind und dass wir sind.“
(Quelle: Raúl Krauthausen (2022): Das sind die Tücken des „Disability Pride Month“, aufgerufen unter Das sind die Tücken des „Disability Pride Month“ - Raúl Krauthausen am 26.06.2026)