BUNDESHAUSHALT 2027: FAMILIEN STARK BELASTET
10.09.2026 |
Der Familienbund der Katholiken kritisiert, dass die geplante Wohngeldreform Familien mit niedrigen Einkommen empfindlich treffen könnte. Nach Angaben der Bundesregierung soll rund ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte aus dem Wohngeldbezug fallen.
Berlin, 10. September 2026. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil begründet den Etat mit dem Ziel, in „Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft ebenso wie in Sicherheit und Resilienz“ zu investieren. Für den Familienbund gehört dazu zwingend auch eine verlässliche Familienpolitik. Die geplanten Kürzungen, etwa beim Wohngeld, beim Elterngeld, beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende und beim Sofortzuschlag für Kinder aus einkommensarmen Familien lassen sich damit nicht vereinbaren. „Wenn wir über Zukunftsfähigkeit sprechen, dürfen wir Kinder nicht vergessen. Kinder sind Zukunft. Sie entwickeln die Innovationen von morgen. Wer in Familien investiert, investiert in die Innovationskraft unseres Landes“, sagt Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes der Katholiken. „Bei der niedrigsten Geburtenzahl seit 1946 müsste jedes einzelne Kind besonders gefördert werden. Stattdessen treffen die Reformen insbesondere Familien, die es ohnehin schon schwer haben.“
Ein erheblicher Teil der angekündigten steuerlichen Entlastungen ist kein zusätzlicher familienpolitischer Fortschritt, sondern folgt rechtlichen Verpflichtungen. Wenn das Existenzminimum von Kindern steigt, muss dieses auch steuerlich freigestellt und der Kinderfreibetrag entsprechend angehoben werden. Die entsprechende Anpassung des Kindergeldes ist seit Mitte der 1990er-Jahre politisch vereinbart und mittlerweile im Einkommensteuergesetz verankert.
„Es wird von Milliardenentlastungen gesprochen. Aber viele Familien merken davon am Monatsende kaum etwas. Inflation sowie gestiegene Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fressen einen großen Teil der Entlastung wieder auf“, erklärt Ulrich Hoffmann. „Besonders kritisch ist, dass die Inflation im Steuertarif nicht konsequent berücksichtigt und die ‚kalte Progression‘ nicht vollständig ausgeglichen wird. Familien haben in den vergangenen Jahren erhebliche Kaufkraft verloren bei gleichzeitig gestiegenen Ausgaben für Wohnen, Energie und Alltag. Statt heimlicher Steuererhöhungen über die ‚kalte Progression‘ müsste eine offene Debatte über Steuerentlastungen und Steuererhöhungen geführt werden.“
Bezahlbarer Wohnraum ist für Familien eines der drängendsten Probleme. Daher sind die geplanten Kürzungen beim Wohngeld besonders problematisch. Mittelbar können die Kürzungen beim Wohngeld auch den Anspruch auf Kinderzuschlag gefährden und Familien in die Grundsicherung drängen. „Die Mieten sinken nicht, aber die Unterstützung wird kleiner. Das passt nicht zusammen. Familien brauchen bezahlbaren Wohnraum, keine neuen Finanzierungslücken“, sagt Ulrich Hoffmann.
Investitionen in Kitas, Bildung, Familienförderung und verlässliche Unterstützungsangebote sind keine rein konsumtiven Ausgaben, sondern Grundlagen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Sorgearbeit und wirtschaftliche Entwicklung. Sie sind Investitionen, die langfristige wirtschaftliche und gesellschaftliche Erträge bringen: bessere Bildungs- und Entwicklungschancen, mehr Fachkräfte, höhere Erwerbsbeteiligung von Eltern und eine stabilere demografische Entwicklung. „Jeder Euro für Kinder kommt mehrfach zurück. Wer Familien und junge Menschen stärkt, stärkt die Zukunft unseres Landes nachhaltiger als jede kurzfristige Sparmaßnahme“, so Hoffmann. „Familien erziehen Kinder, übernehmen Pflege, tragen Verantwortung füreinander und schaffen den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Diese Leistungen kommen allen zugute. So notwendig aktuell auch schmerzhafte Reformen sein mögen: Die Lasten müssen gerecht verteilt werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Familien immer die Ersten sind, bei denen gespart wird.“

