Einen berühmten Sonderfall marianischer Instrumentalmusik stellen die "Rosenkranz-Sonaten" von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) dar, die auch "Mysteriensonaten" genannt werden. Der adlige Komponist Biber von Bibern wirkte unter anderem in Salzburg. Seine 15 marianischen Meditationen sind eingeteilt in drei Zyklen zu je fünf Sonaten. Im Klang der tänzerisch, bisweilen auch überaus virtuos geführten Violine, begleitet von den Instrumenten des Generalbasses (etwa Violone, Violoncello, Laute und Orgel), hören wir von den Geheimnissen des Freudenreichen, des Schmerzhaften und des Glorreichen Rosenkranzes. Allen Sonaten ist ein passendes Bild vorangestellt (siehe Foto). Außerdem verwendet Biber reichlich die sogenannte "Skordatur", das heißt das Umstimmen von Saiten auf der Geige, womit nicht nur akkordisches Spiel verbunden ist, sondern auch höchst eigenwillige Klangwirkungen auf den stärker oder schwächer als gewöhnlich gespannten Saiten.
Bibers Widmung an den Erzbischof Max Gandolph von Salzburg schließt mit den Worten: "Ich habe das ganze Werk der Ehre der XV Heiligen Mysterien gewidmet, die Ihr so ausgesprochen fördert." Vermutlich erlebten diese Sonaten ihre ersten Aufführungen im liturgischen Kontext von Rosenkranz-Andachten. Heute sind sie vorwiegend im Konzert zu hören. Dennoch bleiben sie die eindrücklichste Musik, die je zum Rosenkranzgebet erfunden wurde: höchste Kunst und musikalische Verkündigung in überzeugender Einheit.
Unser Klangbeispiel ist der Beginn der "Christi Himmelfahrt" gewidmeten Sonate. In der Sprache des Rosenkranzes: "...Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist". Musikalisch folgt Biber den freudigen Aspekten der Himmelfahrt. Eine ungestüme Aufwärtsbewegung dominiert zunächst das Klangbild. Dann folgt mit feierlich-punktierten Rhythmen eine Art von Einzugsmusik: Jesus wird im Himmel als König begrüßt.
Dr. Meinrad Walter
Foto: Wikimedia
| Ausschnitt aus der Rosenkranzsonate Nr. 12 (1:10 Min., 559 KB) |

