Lichtschimmer - ein Angebot für trauernde Menschen

im Mittleren und Südlichen Breisgau

Am Anfang stand die Idee, ein niederschwelliges Angebot für trauernde Menschen im Sozialraum zu etablieren: Wenn die Trauerfeier vorbei ist und Menschen aus dem Umfeld wieder in den Alltag zurückkehren, bleiben Trauernde häufig allein zurück. Die Zeit scheint für sie still zu stehen, doch die Welt dreht sich weiter. In solchen oder ähnlichen Situationen wäre es hilfreich und Trost spendend, wenn Trauende einen Ort hätten, an dem sie erzählen, weinen und Kraft tanken können.

Dieses Anliegen haben wir – Verantwortliche der Sozialstation Südlicher und Mittlerer Breisgau, der Seelsorgeeinheit Bad Krozingen – Hartheim und der Kurseelsorge in Bad Krozingen aufgegriffen. Wir überlegten ein Grundkonzept für Angebote der Trauerbegleitung in diesem Sozialraum Südlicher und Mittlerer Breisgau. Mit Blick auf den Prozess Kirchenentwicklung 2030 in der Erzdiözese Freiburg gingen wir auf die benachbarten Kirchengemeinden zu, um sie für dieses Anliegen als Kooperationspartner in der Region des Mittleren und Südlichen Breisgaus zu gewinnen. Neben den katholischen Kirchengemeinden Bad Krozingen-Hartheim, Staufen-St. Trudpert, Heitersheim und Batzenberg-Obere Möhlin, der Sozialstationen auf diesem Gebiet und der ökumenischen Kur- und Rehaseelsorge waren wir im Austausch mit den Hospizgruppen und den vor Ort ansässigen Bestattungsinstituten.
In der Folge hat sich aus den Vertretungen der oben genannten Kooperationspartner eine Lenkungsgruppe gebildet. Deren Aufgabe ist es, das Thema Trauer und Trauerbegleitung in den jeweiligen Kirchengemeinden bzw. Organisationen zu platzieren, Angebote der Trauerbegleitung aufzubauen und diese zu begleiten. Die Lenkungsgruppe ist somit das Scharnier in die Gemeinden hinein und platziert das Thema Trauer vor Ort. Des Weiteren werden Anliegen aus der Gemeinde von den Mitgliedern in der Lenkungsgruppe eingebracht. Gemeinde meint nicht ausschließlich die röm. kath. Kirchengemeinden, sondern auch den Sozialraum der politischen Gemeinden auf dem Gebiet der Kirchengemeinden.
 
Interesse wecken - Gewinnung von Ehrenamtlichen, das das Anliegen und Projekt mittragen und mit Leben erfüllen
Mit diesem Konzept sind wir im Mai 2022 über die Presse an die Öffentlichkeit gegangen und haben zu einem Informationsabend zu diesem Projekt eingeladen. Hier waren ca. 50 Personen anwesend. Die Resonanz hat unsere Erwartungen übertroffen. Danach haben 36 Personen Interesse gezeigt, Angebote der Trauerbegleitung mitzugestalten.
Einige wollten direkt mit Angeboten loslegen, weil sie unser Konzept angesprochen hat, wieder andere möchten Menschen etwas zurückgeben, was sie an Positivem erlebt haben. Einige können sich auch vorstellen, ein Angebot bei sich direkt vor Ort anzubieten.
Wir hatten den Eindruck, mit dem Thema und dem Projekt einen Nerv getroffen zu haben. Begleitung Trauernder ist ein Bereich, in dem sich die Menschen engagieren möchten.
 
Qualifizierung der Ehrenamtlichen
Zu unserem Konzept gehört auch die Erwartung, dass in der Trauerbegleitung engagierte Menschen Grundkenntnisse in der Begegnung mit Trauendenden erwerben bzw. mitbringen. Daher ist der Erwerb von Grundkenntnissen in der seelsorglichen Gesprächsführung und fachliches Wissen zu Trauerprozessen zwingende Voraussetzung. Nach Abschluss des Kurses sollen sich die Engagierten in die Lebenssituation und in die Lebenswelt trauernder Menschen einfühlen können; sie sollen Sicherheit im Umgang mit Trauersituationen gewinnen, sie sollen Trauer verstehen und sicher sein im Führen von seelsorglichen Gesprächen mit Trauernden. Außerdem sollen sie sich als Team erleben mit einem gemeinsamen Ziel / Anliegen. Und: sie haben sich mit eigenen Trauererfahrungen auseinandergesetzt.
 
Das gesamte Kurskonzept umfasst vier Kursmodule und ist wissens- und erfahrungsorientiert.
Die ersten beiden Module beschäftigten sich mit Gesprächsführung nach Carl Rogers.
Das dritte und vierte Modul umfassen das Themenfeld „Trauer“, w. z.B. eigene Trauererfahrungen, Trauerbegleitung, Trauermodelle, erschwerte Trauer; Rolle der Trauerbegleiter*innen. Sie ist eine Grundlagenschulung, die Engagement begleitend weitergeführt werden soll.
Die Qualifizierung wurde von Philipp Fuchs (Supervisor und Ausbilder in seelsorglicher Gesprächsführung) und Anja Drechsle (Ausbilderin für Trauerbegleitung) durchgeführt.
 
An diesem Kurs haben im zweiten Halbjahr 2022 und im ersten Quartal 2023 19 Teilnehmer*innen (16 Frauen/ 3 Männer) teilgenommen und erfolgreich absolviert. Sie alle kommen aus den Ortschaften, in denen das Projekt auch verortet sein soll. Die Qualifizierung der ehrenamtlich Engagierten wird erfahrungsbezogen fortgeführt, so dass die gewonnenen Kenntnisse vertieft uns ausbaut werden können.
 
Engagement im Feld Trauerbegleitung
Zusammen mit den Kursteilnehmenden haben wir im Anschluss an den Kurs Einsatzmöglichkeiten und Einsatzorte entwickelt. Somit ist es gelungen, für alle Engagierte den für sie passenden Einsatzbereich zu entwickeln.
Entwickelt und vorbereitet wurden gemeinsam drei Angebote:

  1. Trauer-Café
Wir laden Trauernde ein, sich immer am letzten Freitag im Monat von 15:30 Uhr bis 17:00 Uhr im Albaneum in Bad Krozingen, in geschützter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen mit anderen Betroffen zu treffen, Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Vorbereitung und Durchführung wird durch ein eigenständiges Team verantwortet.

  1. Trauer-Frühstück
Wir laden Trauende ein, sich immer am ersten Samstag im Monat von 10: 00 Uhr bis 11:30 Uhr im Altes Spital in Staufen i. Br. in geschützter Atmosphäre bei einem Frühstück ihrer Trauer Raum zu geben und sich gegenseitig zu unterstützen. Vorbereitung und Durchführung wird durch ein eigenständiges Team verantwortet.

  1. Trauer-Wanderung
Mitunter tut es auch gut, der eigenen Trauer in der Bewegung Raum zu geben und sich dabei mit Menschen in ähnlicher Situation auszutauschen. Die Trauerwanderungen haben eine Strecke von ungefähr 6 km. Die Teilnahme erfolgt auf eigene Verantwortung jeweils am dritten Sonntag eines jeden Monats in der Zeit von 11: 00 bis 13: 00 Uhr. Start und Zielorte werden in der lokalen Presse und auf der Homepage veröffentlicht. Vorbereitung und Durchführung wird auch hier durch ein eigenständiges Team verantwortet.
 
Alle Angebote der Trauerbegleitung sind offen für alle und kostenfrei.
 
Nach Start der Angebote treffen sich die ehrenamtlich Engagierten regelmäßig zu Reflexionstreffen und bei Bedarf zur Supervision.
  
Öffentlichkeitsarbeit
Gemeinsam mit allen an diesem Projekt Beteiligten haben wir unserem Angebot ein Gesicht gegeben. Mit einem speziell entwickelten Logo geben wir Auskunft darüber, wie wir mit unserem Angebot für Trauende hilfreich sein wollen und können. Wir informieren über unsere Angebote mit einem Faltblatt, dass an vielen öffentlich zugänglichen Orten und Institutionen ausliegt, sowie über unsere eigene Homepage. www.trauerbegleitung-lichtschimmer.de
Regelmäßig weisen wir über die lokale Ortspresse und die Südbadische Presse auf unsere Angebote hin. Zusätzlich kommunizieren die Kontaktpersonen der Lenkungsgruppen die aktuellen Informationen in die Gemeinden vor Ort.
 
Für die Steuerungsgruppe:
Pastoralreferent Philipp Fuchs, Kur- und Rehaseelsorger, Bad Krozingen